Gemeinderat bringt Umgestaltung der Uferpromenade auf den Weg

Der erste Bauabschnitt für die Umgestaltung der Uferpromenade zwischen Greth und Mantelhafen kann wie geplant im Herbst beginnen. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Mittwochabend mehrheitlich mit fünf Gegenstimmen die Weichen dafür gestellt. Realisiert wird die schon in einem intensiven Bürgerbeteiligungsprozess favorisierte Variante mit Natursteinpflaster aus rotem Porphyr und grauem Granit in einem Passeverband. Die Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH, die für die Stadt als Dienstleister das Korrespondenzprojekt der Landesgartenschau realisiert, bereitet nun die entsprechenden Ausschreibungsunterlagen vor.

Alternativen zur Sitzbank
Mit dem Votum für das Natursteinpflaster in Grau und Rot fasste der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss, dennoch wird jeder der nächsten Bauabschnitte noch einzeln beraten. Zu den Sitzbänken wurde kein Beschluss gefasst, hier sollen zur vorgeschlagenen LGS-Bank Alternativen vorgestellt werden. Das vorhandene Geländer bleibt erhalten.
 Die im September 2016 beschlossene Entwurfsplanung der Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen, relaisLA, ist im Rahmen einer mehrstufigen Bürgerbeteiligung entstanden. Sie war Grundlage der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung für den Gemeinderat. Die Umgestaltung der Uferpromenade vom Landungsplatz bis zum Mantelhafen erfolgt in vier Bauabschnitten, die Gesamtkosten liegen bei 3,695 Millionen Euro. Vom Land gibt es einen Zuschuss in Höhe von 1,163 Millionen Euro, wovon bereits 457 000 bewilligt sind.
 
Bürgerbeteiligung berücksichtigen
Oberbürgermeister Jan Zeitler wies eingangs auf das Zeitfenster hin. „Wir liegen beim Uferpark voll im Plan und ich möchte auch, dass wir bei der Uferpromenade voranschreiten und den Zeitplan in den nächsten Jahren einhalten. Das soll nicht heißen, dass wir heute nicht intensiv diskutieren können, ich weiß um den Diskussionsbedarf vor allem beim Pflaster“, so Jan Zeitler. „Mir ist aber auch wichtig, das will ich nicht verhehlen, dass wir heute im Bewusstsein um die Bürgerbeteiligung entscheiden.“
 
Roland Leitner, Geschäftsführer der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH, ging in seinem Vortrag auf die Details der Entwurfsplanung ein, vor allem verglich er die unterschiedlichen Materialien, Naturstein und Betonpflaster, sowie die möglichen Verlegungsarten. In der Beschlussvorlage wurde die von der LGS Überlingen 2020 GmbH empfohlene Passeverlegung favorisiert, Gemeinderat Jörg Bohm (CSU) hatte für die Verlegung des Pflasters in Segmentbögen, wie sie auf dem Münsterplatz und auf der Hofstatt zu sehen sind, plädiert. Gemeinderat Ulrich Krezdorn machte sich für eine einheitliche Farbgebung des Pflasters stark und argumentierte gegen den roten Porphyrstein.
 
Barrierefreiheit bestätigt
Leitner: „Wir haben uns sehr intensiv mit dem Thema Pflaster befasst, wir hatten drei Bürgerforen und zwei Sachgespräche mit Gewerbetreibenden und der Gastronomie, und wir haben vor eineinhalb Jahren die von uns favorisierte Musterfläche im Garten der Geschäftsstelle anlegen lassen. Vom VDK Überlingen und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Überlingen haben wir uneingeschränkt ein positives Feedback dazu bekommen. Wir haben eben nicht nur nach DIN-Norm entschieden, sondern auch mit den Betroffenen gesprochen.“ Beim Kostenvergleich zwischen Betonpflaster und Naturstein liege der Preisunterschied bei lediglich sechs Euro pro Quadratmeter zu Ungunsten des Naturmaterials.

Leitner erläuterte die einzelnen Punkte:

Pflaster und Farbgebung

  • Die unterschiedliche Farbgebung mit roten Steinen an den Fassaden und einem schnell bis auf 100 Prozent zunehmenden Grau-Anteil lockert die großen Flächen analog zum Verband auf und sorgt für Spannung und eine zeitlose Modernität.
  • Der rote Porphyr ist unaufdringlich und lässt den Übergang zum silbergrauen Granit natürlich erscheinen.
  • Der hellere silbergraue Granit mit den deutlich größeren Flächenanteilen Richtung See ist wiederum eine schon fast selbstverständliche Annäherung an die Helligkeit des Sees.
  • Die Materialien fanden im Rahmen der Bürgerbeteiligung 2016 großen Anklang, viele Bürger haben sich gezielt die vorhandene Musterfläche angesehen und waren deutlich überwiegend sehr zufrieden.

Verlegeart Passeverband

  • Der Passeverband ist ein nur scheinbar wilder Verband, denn er folgt ebenfalls strengen Regeln. Auch dieser Verband ist nach den Regeln der Technik aufgrund seiner ebenfalls sehr guten technischen Fähigkeiten zur Lastaufnahme, zum Befahren geeignet.
  • Die Auswahl erfolgte aber auch aus gestalterischen Gründen. Dieser Verband ist richtungslos, also egal aus welcher Richtung betrachtet, ist das „wilde" Fugenbild ohne lange durchlaufende Fugen zu sehen. Dadurch wirkt die Gesamtfläche einheitlich und großflächig.
  • Auch die Vielzahl von Einbauten (Betonelemente, Baumstandorte etc.) und verspringende Fassadenkanten sowie die schmalen Bereiche im Osten und Westen können bei einem Passe’ harmonisch eingebunden werden. Auch zukünftige Veränderungen (z.B. Leitungsbau) führen zu keinen optischen Beeinträchtigungen, und würden im Gesamtbild kaum auffallen.
  • Zielsetzung auf Promenade und Landungsplatz sollte es sein, einheitliche, ruhige und großzügige Flächen zu generieren. Die nicht durchlaufenden Fugen, die stets die Richtung wechseln, sind wartungsfreundlicher.

Roland Leitner: „Grundsätzlich sind alle Belagsflächen zu warten und zu reinigen – manche mehr, manche weniger. Natursteinpflaster ist stets technisch und gestalterisch hochwertig, dauerhaft und wert, es intensiv zu pflegen und zu unterhalten.“ Bürgermeister Mathias Längin sicherte auf Nachfrage zu, dass noch gut erhaltene Granitsteinpflaster aus Teilen der Uferpromenade zwar nicht bei der Umgestaltung vor Ort berücksichtigt würden, jedoch gesichert und an anderen Stelle wiederverwertet werden.

Umgestaltung der Uferpromenade

Im Gegensatz zum landschaftlich geprägten Uferpark wird die Uferpromenade urban gestaltet. Sie wird als Stadtkante zum See quasi der „Balkon der Stadt“, so die Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen, relaisLA. Durch ihre Konstruktion, nämlich in direkter Verbindung auf dem Ufersammler sitzend, mutet die Uferpromenade wie ein Dachgarten an. Daher müssen Bestandteile, die unmittelbar baulich mit dem Kanal zusammenhängen, erhalten bleiben: die Blumenbeete, die Freitreppe am Landungsplatz und die Betonsitzbänke.
 
Gestaltungsspielraum eingeschränkt
Die Ästhetik der 1970er-Jahre wird in der Planung akzeptiert und berücksichtigt, daher gibt es in den genannten Bereichen hauptsächlich eine qualitative Aufwertung im Bestand. Der Handlungs- und Gestaltungsspielraum ist entsprechend eingeschränkt. Ziel ist aber ein starkes Gesamtbild, der Platz soll ein echter Platz werden, zur „guten Stube“ mit hoher Aufenthaltsqualität. Dazu wird der Platz bis unmittelbar an die Fassaden der angrenzenden Bäume heranrücken.
 
Marianne Mommsen schlägt für Promenade und Landungsplatz einen gut begehbaren Belag aus grauem Natursteinpflaster vor. Rote Steine werden flächig Akzente setzen. Neue Sitzgelegenheiten, sei es durch Rundbänke unter den Bäumen am Landungsplatz oder Langbänke entlang des Ufers, machen den Platz und die Promenade attraktiver. Lange Bänder aus 1,20 Meter breiten Granitsteinplatten lockern optisch auf und sind nicht als „Gehbahn“ für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen angedacht. Der gesamte Bereich Landungsplatz und Uferpromenade ist barrierefrei zu begehen. Lässiges informelles Sitzen auf einem roten Holzdeck schlägt die Planerin an der Freitreppe am Landungsplatz vor.
 
Baresel-Insel bleibt
Zur Umgestaltung der Uferpromenade mit Landungsplatz hat 2016 eine umfassende Bürgerbeteiligung stattgefunden, bevor der Entwurfsplan dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt wurde. Dabei hatten sich die Bürger vor allem für den Erhalt möglichst vieler Bäume eingesetzt, worauf die Planerin entsprechend reagiert hat. Nicht alle Bäume können allerdings gerettet werden. Geschädigte Bäume werden entfernt und an anderer Stelle neu gepflanzt, einige erhalten deutlich bessere Standortbedingungen für mehr Vitalität. Die Baresel-Insel bleibt wie von den Bürgern gewünscht bestehen.