Jugendbefragung und Jugendforum zeugen von Aufbruchstimmung

Projekte, an denen weitergearbeitet wird

Die Jugendlichen in Überlingen und Umgebung wünschen sich vor allem mehr Partys und Veranstaltungen, aber auch mehr Orte und Räume, an bzw. in denen sie sich treffen können, sowie bessere Busverbindungen. Das Feedback zum Jugendforum am 05.05.2010 war durchweg positiv: „tolle Idee“, „hört sich bis jetzt alles echt cool an“, „super Energie“, notierten einige von ihnen nach der Veranstaltung im Kursaal auf die Frage, wie zufrieden sie mit dem Jugendforum waren. Die etwa 150 anwesenden Jugendlichen diskutierten an Gesprächsinseln über verschiedene Themen und initiierten zehn Projekte, an denen sie in den nächsten Wochen weiterarbeiten werden und in die sich Interessierte jederzeit einbringen können. Die Koordination der Projektgruppen erfolgt durch Daniela Joos vom Jugendreferat der Stadt Überlingen. Die nächsten Treffen finden bereits in dieser und der nächsten Woche (Schwerpunkt am 21.05.2010 in der Rampe) statt. Unter dem Titel „Feel the change“ veranstalteten die jugendpolitischen Parteien zusammen mit dem Jugendreferat zwei Tage nach dem Jugendforum eine Party in der „Gruft“.

Auf einer Jugend-Homepage könnten sich Gruppen mit ihren Angeboten präsentieren, es könnten An den zehn Gesprächsinseln wurde rege diskutiert und erste Projekte auf den Weg gebracht.Fotos veröffentlicht und eine Mitfahrzentrale eingerichtet werden. Hier könnte auch eine Jugendbörse eingerichtet werden, in der sich die Vereine vorstellen sowie freie Lehrstellen oder Nachhilfe angeboten werden könnten. Intensiv in die Vorbereitungen stürzen müssen sich alle, die ein großes Public Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft organisieren möchten. Weitere Ideen der Gruppe „Offene Sportangebote“ sind Turniere und öffentliche Räume für Vereine. Ein zentrales, großes und selbst verwaltetes Jugendcafé sowie einen Grillplatz am See wurden unter anderem als Jugendräume und -orte überlegt. Zum Thema „Jugendbeteiligung“ haben die Jugendlichen die Idee, ein Jugendbüro einzurichten und einen Jugendvertreter zu bestimmen, der ihre Interessen vertritt. Im Bereich des ÖPNV wird ein Ausbau des Angebots an Anruf-Sammel-Taxis und Nachtbussen verfolgt. Die unter 16-Jährigen möchten sich für mehr Partys einsetzen, die an jene für 16- bis 18-Jährige angedockt werden könnten. Diese wiederum wünschen sich einen festen Raum für regelmäßige Partys und Veranstaltungen, die auch draußen stattfinden sollen. Und die über 18-Jährigen brachten neben der Kapuzinerkirche und dem Kursaal die Kramer-Hallen als Örtlichkeit für Veranstaltungen ins Gespräch. Außerdem wünschen sie einen offiziellen Treffpunkt am See. Das eher geringe Interesse am Thema „Vereinsangebote“ wurde darauf zurückgeführt, dass sich Jugendliche, die sich dafür interessieren, sich dort bereits engagieren.

Ergebnis der Befragung

Mitte März wurden an den Überlinger Schulen rund 4 700 Fragebögen verteilt. Die Politik-AG an der Constantin-Vanotti-Schule wertete die 2 701 zurückgekommenen Fragebögen aus. Ihr Sprecher Josef Sandkühler präsentierte das Ergebnis, das er mit Sascha Jungnitz aufbereitet hatte. Danach wohnen zwei Drittel der Befragten nicht in Überlingen, doch die Hälfte aller verbringt seine Freizeit hier. Dabei werden am liebsten der Landungsplatz (1 250 Nennungen) und Kneipen (1 100) besucht, das Jugendzentrum „Rampe“ (250), der Badgarten und der Waldspielplatz rangieren deutlich dahinter. Im Durchschnitt haben die Jugendlichen die Stadt Überlingen mit der Schulnote 4,09 bewertet; je älter die Befragten, desto schlechter schnitt die Stadt ab und es habe mehrfach die Note 6 gehagelt, so Sandkühler. Die Mehrheit der Jugendlichen verneinte die Frage, ob sie sich vorstellen können, später in Überlingen zu wohnen. Wenn sich daran nichts ändere, laufe die Stadt Gefahr, „noch mehr zu veraltern“, kommentierte Sandkühler dieses Resultat. Die Jugend möchte vor allem mehr Partys (1 800), aber auch Veranstaltungen für unter 18-Jährige (1 200), Kultur/Konzerte (800) und einen besseren ÖPNV (700). Auf die Frage: „Wie bereit bist du, dich aktiv einzubringen“ antworteten 800 mit nein und 1 500 mit vielleicht. Aussagekräftiger war die Frage, wo sich die Jugendlichen konkret engagieren würden. Zwar kreuzten hier etwas mehr als 800 ebenfalls nein an, viele würden sich jedoch in Vereinen (etwa 700), Projekten (ca. 620) oder Sonstigem (fast 600) einbringen. Ferner würden sie sich bei einer Jugendhomepage (rund 230), einem Jugendforum (ca. 220) und sogar 193 in einem Jugendgemeinderat und knapp 180 in Parteien engagieren. „Dies zeige“, so Sandkühler, „dass ein politisches Interesse da ist.“ Bedingung fürs Mitmachen ist insbesondere die Erreichbarkeit (etwa 1 320), aber auch die Finanzen spielen eine große Rolle (ca. 700). Weniger wichtig ist den Jugendlichen eine Betreuung (rund 440).

Oberbürgermeisterin Sabine Becker erklärte zu Beginn des Jugendforums: „Ich bin erstaunt und freue mich sehr über das große Interesse und Engagement, das einige von euch in den letzten Monaten gezeigt haben. Es ist Bewegung in die Jugend von Überlingen gekommen.“ Becker forderte die Jugendlichen auf, die Chance zu ergreifen und sich aktiv in das eine oder andere Projekt einzubringen, das beim Jugendforum initiiert wurde. „Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat die notwendigen Gelder zur Verfügung stellen wird, wenn ihr ihn mit eurem Engagement für eine nachhaltige Jugendarbeit in unserer schönen Stadt überzeugt“, sagte sie. OB Becker war extra von Stuttgart zum Jugendforum nach Überlingen gekommen und verließ die Veranstaltung vorzeitig, da sie die Situation anders eingeschätzt habe. „Ich habe nicht erwartet, dass meine Anwesenheit bis zum Ende des Forums gewünscht werde“, erklärte sie im Nachhinein. In den vergangenen sechs Monaten haben Schulsprecher, Vertreter der jugendpolitischen Parteien sowie von Vereinen und Kirchen den Jugendbeteiligungsprozess und den Fragebogen mitgestaltet. Mit einem Videospot, Flyern, Plakaten und einer eigenen Homepage wurde das Jugendforum beworben. Jugendliche und junge Erwachsene vom Boxverein „The Ringtrotters“, der Damenmannschaft des FC 09 Überlingen, vom Institut für Körperarbeit und Tanz sowie zwei DJs hatten sich für das Video unter Federführung von Alex Friedrichs und für Fotoaufnahmen durch Margarete Leitz zur Verfügung gestellt. Stefan Fürhaupter und Robert Pakleppa von der Synergie Soziale Bildung begleiteten den Prozess und das Forum professionell, wofür der Kulturausschuss das Geld bereitgestellt hat. Darüber hinaus haben Peter Geißele, Sportartikel Grünvogel, Sport Schmidt, die Kursaal-Gastronomie „Le Foyer“ und der Verein zur Förderung der Jugendarbeit das Forum finanziell unterstützt.

Jugendforum 2010
Jugendforum 2010
Jugendforum 2010

Die Fotos vom Jugendforum und News zu den Projekten sind unter www.jugend-ueberlingen.de zu finden.

Erklärung von Oberbürgermeisterin Sabine Becker: Die Meinung und Ideen der Jugendlichen sind der Oberbürgermeisterin wichtig

Auf Initiative von Oberbürgermeisterin Sabine Becker hat die Stadt Überlingen am vergangenen Mittwoch im Kursaal ein sehr erfolgreiches Jugendforum durchgeführt, an dem etwa 150 Jugendliche teilgenommen und verschiedene Projekte initiiert haben.

Bereits während der Veranstaltung übten einige Teilnehmer Kritik daran, dass Oberbürgermeisterin Sabine Becker vorzeitig das Jugendforum verlassen habe. Becker erklärt hierzu: „Ich habe extra eine Veranstaltung in Stuttgart abgebrochen und bin nach Überlingen gekommen, um die Jugendlichen zu begrüßen und allen zu danken, die sich in den vergangenen Monaten vorbildlich in den Jugendbeteiligungsprozess eingebracht haben.“

„Ich wollte die Diskussion an den Gesprächsinseln nicht stören. Als Angehörige der „Leave us kids alone-Generation“ habe ich die Situation anders eingeschätzt.“ Oberbürgermeisterin Becker räumt ein: „Ich hatte nicht erwartet, dass meine Anwesenheit bis zum Ende des Forums gewünscht wird. Dies tut mir leid.“

„Die Meinung und Ideen unserer Jugendlichen sind mir sehr wichtig. Deshalb war der zuständige Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger während der gesamten Veranstaltung anwesend. Er übermittelt mir die Fakten aus erster Hand.“ Die im Jugenforum entwickelten Projektideen arbeiten die Jugendlichen gerade weiter zu Konzepten aus. „Ich nehme mir dann natürlich umfassend Zeit, diese Konzepte mit den Jugendlichen zu erörtern und mögliche Maßnahmen der Stadt daraus abzuleiten.“ Die Projektideen werden in der Sitzung des Kulturausschusses am 09.06.2010 präsentiert und darüber berichtet, wie die Arbeit in den Projektgruppen weiter vorangeschritten ist.